Wie lässt sich erblicher Darmkrebs früher erkennen und wirksamer verhindern? Für ihren innovativen Ansatz zur Identifikation des Lynch-Syndroms wurden Dr. Robert Hüneburg, Prof. Dr. Jacob Nattermann und Prof. Dr. Stefan Aretz vom Universitätsklinikum Bonn (UKB) gemeinsam mit ihren Projektpartnern mit dem Felix Burda Award 2026 in der Kategorie „Medizin & Wissenschaft“ ausgezeichnet.

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Im Mittelpunkt des Projekts steht das Lynch-Syndrom, eine der häufigsten erblichen Ursachen von Darmkrebs. Betroffene haben nicht nur ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs, sondern auch für weitere Krebsarten. Dennoch bleibt die genetische Veranlagung häufig unerkannt.
Genau hier setzt das ausgezeichnete Projekt an: Es nutzt die flächendeckende Tumordiagnostik in zertifizierten Darmkrebszentren, um Menschen mit Lynch-Syndrom systematisch zu identifizieren. Dadurch können Betroffene und ihre Familien frühzeitig genetisch beraten, individuell begleitet und gezielt in Vorsorgeprogramme eingebunden werden.
„Prävention beginnt mit Identifikation: In Deutschland sind etwa 300.000 Personen vom Lynch-Syndrom betroffen. Trotzdem sind bisher nur fünf bis zehn Prozent der Fälle erkannt, da klassische Testkriterien einen Großteil der Betroffenen nicht erfassen. Das wollten wir mit dem Projekt ändern“, erklärt Dr. Robert Hüneburg, Oberarzt an der Medizinischen Klinik I des UKB, das Teil des Centrums für Integrierte Onkologie (CIO) Bonn ist.
Das Vorhaben wurde gemeinsam mit Partnern des Universitätsklinikums Ulm, der Universität Leipzig und der Deutschen Krebsgesellschaft entwickelt. Die Grundlage für die Umsetzung bildet die Tumordiagnostik in den zertifizierten Darmkrebszentren der Deutschen Krebsgesellschaft. Seit 2025 ist die entsprechende Testung dort verbindlich verankert.
Modellanalysen zeigen das Potenzial dieses Ansatzes: Durch eine konsequente Testung und genetische Beratung könnten das Darmkrebsrisiko bei Angehörigen um 61 Prozent und die Sterblichkeit um 78,5 Prozent gesenkt werden.
Mit dem Felix Burda Award würdigt die Felix Burda Stiftung Projekte, die die Darmkrebsprävention nachhaltig verbessern. Die Auszeichnung unterstreicht die Bedeutung der engen Zusammenarbeit von Forschung, Humangenetik und klinischer Versorgung für eine frühere Erkennung erblich bedingter Krebserkrankungen.
Pressemeldung des Universitätsklinikum Bonn: https://www.ukb.intern/C125696000418A5A/direct/felix-burda-award-fuer-projekt-zur-identifikation-des-lynch-syndroms

Prof. Dr. Stefan Aretz
Institut für Humangenetik; Universitätsklinikum Bonn
Zentrum für erbliche Tumorerkrankungen
ERN GENTURIS, DRN ETS
TRA „Life & Health“, Universität Bonn
E-Mail: Stefan.Aretz@uni-bonn.de